Historie

Langlebigster Deutschsprachiger in Istanbul – Die Teutonia

Mitte des 19. Jh. nahm der deutsche Einfluss im Osmanischen Reich zu und führte immer mehr Deutsche, Schweizer und Österreicher in die damalige Hauptstadt Konstantinopel. Das Osmanische Reich sollte modernisiert und europäisiert werden. Die wirtschaftliche , politische und kulturelle Zusammenarbeit schlug sich nieder in Projekten wie:

Bau der Bagdadbahn mit zahlreichen Bahnhöfen im deutschen Stil; Begründung einer deutsch-türkischen Militärfreundschaft;, mehrmalige Besuche Kaiser Wilhelms in Konstantinopel, ebenso Besuch des Kaiser Franz; Aufbau der Orientbank; Niederlassung deutscher Firmen und Ausbau der Handelsbeziehungen; Aufbau des türkischen Hochschul- und Forschungswesens durch deutsche Wissenschaftler; Handwerker, Künstler, Militärberater, Wissenschaftler im Dienst des Sultans.

 

Geschichtliche Meilensteine des Teutonia Vereins:
1847

Gründung des Vereins “Teutonia” zur Institutionalisierung des geselligen Lebens der Deutschsprachigen in Istanbul und Pflege des deutschen Liedgutes. Die Mitglieder waren Handwerker und Händler, die im Osmanischen Reich Arbeit und eine neue Zukunft suchen.
1858

Der Verein mietet ein Haus (sog. College Filippo ) in der Nähe der heutigen “Asmalı Mescit” Straße. In diesem Haus werden Kegelbahn, Billiardtisch und Bühneneinrichtung angeschafft. 1873 Kauf eines Grundstücks an der Galip Dede Straße, die ehemalige Pera Straße, (heutiger Ort) Errichtung eines neuen Hauses. Während eines Feuers in Pera im Jahre 1895 brennt das Vereinsgebäude nieder.

 

16.1.1897

Einweihung eines neuen Hauses, das bis heute erhalten geblieben ist. Das Haus verfügt über ein Restaurant, eine Bücherei, Kegelbahnen, Bühne, Musik- und Speisesaal, ein Spiel-, Rauch- und Lesezimmer. Die Teutonia wird zum Zentrum der Deutschsprachigen in Istanbul. Es beginnen die “Hoch”-Zeiten des Vereins: Theater- und Gesangsproben, Vortragsabende, Bälle und andere Festlichkeiten prägen das Vereinsleben bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Mittlerweile verkehren Angehörige der Behörden, Kaufleute und Lehrer in der “vornehmen” Teutonia.

 

1918

Istanbul wird von den Entente-Mächten besetzt; Deutsche werden ausgewiesen; es erfolgt die Schließung der Teutonia, das Vereinsgebäude wird von Briten beschlagnahmt, später kommt es unter schwedische Obhut.

 

18.1.1924

Feierliche Wiedereröffnung der Teutonia (“Deutscher Club”); Neukonstitutionierung der deutschen Kolonie unter veränderten politischen Bedingungen in der jungen Türkischen Republik.

 

1934

Zusammenschluss mit dem deutschen Handwerkerverein “Allemania”. Gleichschaltung deutscher Vereine im Ausland durch die Nationalsozialisten.

 

1944

Schließung der Teutonia, treuhänderische Verwaltung durch die Schweizer.

 

1954

Offizielle Rückgabe des Vereinsgebäudes durch die türkischen Behörden an das deutsche Generalkonsulat.Wiederaufnahme des Restaurantbetriebes, Aktivierung des Vereinslebens.

 

Nach 1960 Renovierungen; Einrichtung des Seemannsheimes, eines Kindergartens, der deutschen Grundschule und einer Bibliothek des Goethe Institutes.

 

Teutonia verbleibt als ein Vereinshaus mit verschiedenen kulturellen Veranstaltungen der deutschen Schule und deutschen Einrichtungen in Istanbul wie z.B. Weihnachstfeiern, Theateraufführungen, Faschingsfeste uns Silvesterfeten.

 

Das Gebäude wird saniert und langfristig an eine deutsche Institution vermietet (das Orient Institut Istanbul) .Gleichzeitig beginnt auch die professionelle Archivierung der zahlreichen Bücher, Dokumente, Noten und Schelllackplatten.